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Wie du Reifengrößen entschlüsselst und den richtigen Reifen auswählst

Einleitung

Egal, ob man ein neues Auto kauft, von Sommer- auf Winterreifen wechselt oder nach einem Reifenschaden ersetzt – die Auswahl des passenden Reifens ist für Sicherheit, Fahrkomfort und Fahrverhalten entscheidend. Reifen sind jedoch mehr als nur schwarze Gummiringe: Sie tragen eine Vielzahl von Zahlen, Buchstaben und Codes, die auf den ersten Blick verwirrend erscheinen können.

Mit diesem detaillierten Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie das Lesen von Reifengrößen funktioniert, was die einzelnen Markierungen bedeuten und welche Aspekte du bei der Wahl deines neuen Reifens beachten solltest. Auch geben wir nützliche Hinweise dazu, wie du Reifen findest, die zu deinem Auto, deinem Fahrverhalten und den aktuellen Straßenverhältnissen passen.

1. Weshalb ist die korrekte Reifengröße von Bedeutung?

Da Reifen der einzige Kontaktpunkt zwischen deinem Auto und der Straße sind, haben sie einen entscheidenden Einfluss auf:

Stabilität beim Fahren und Sicherheit

Bremsverhalten

Bequemlichkeit und Lärmentwicklung

Kraftstoffnutzung

Abnutzung und Lebensdauer

Ungeeignete oder falsche Reifengrößen können die Leistung des Fahrzeugs beeinträchtigen, einen höheren Verschleiß verursachen und im schlimmsten Fall die Sicherheit beim Fahren gefährden. Aus diesem Grund ist es entscheidend, die Informationen auf der Reifenflanke zu begreifen und den geeigneten Reifen auszuwählen.

2. Basis-Kennzeichnungen auf dem Reifen

Auf der Seitenfläche jedes Reifens ist eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen aufgedruckt – dies wird als Reifenlabel oder Reifencode bezeichnet. In diesem Code sind alle wesentlichen Informationen über Größe, Bauart, Tragfähigkeit und Geschwindigkeit enthalten.

Beispiel: 205/55 R16 91 V. Auf den ersten Blick wirkt diese Kombination kompliziert, sie bedeutet jedoch Folgendes:

205: Reifenbreite in mm (hier 205 mm)

55: Querschnittsverhältnis (Höhe des Reifenquerschnitts im Verhältnis zur Breite in Prozent)

R: Bauweise (R = Radialreifen)

16: Durchmesser der Felge in Zoll (an dieser Stelle 16 Zoll)

91: Tragfähigkeitsindex (das maximale Gewicht, das der Reifen tragen kann)

V: Geschwindigkeitsindex (höchste Geschwindigkeit, für die der Reifen konzipiert ist)

3. Die einzelnen Komponenten im Detail erläutert

3.1 Breite der Reifen (in mm)
Die Reifenbreite in Millimetern wird durch die erste Zahl (z. B. 205) angegeben. Sie ermittelt den Abstand zwischen den Reifenflanken. Reifen mit größerer Breite bieten mehr Stabilität und Grip, können aber den Kraftstoffverbrauch steigern.

3.2 Querschnittsverhältnis in Prozent (%)
Das Querschnittsverhältnis ist ein Prozentwert, der die Höhe des Reifenprofils im Verhältnis zur Reifenbreite angibt. Im Beispiel 55 heißt das: Das Reifenprofil hat eine Höhe von 55 % des Wertes von 205 mm, was rund 112,75 mm entspricht.

Flachere Reifen mit niedrigeren Querschnittsverhältnissen (wie 40 oder 45) bieten ein sportlicheres Fahrverhalten und eine bessere Kurvenlage, aber weniger Komfort. Werte wie 65 oder 70 erhöhen die Dämpfung und den Komfort.

3.3 Reifenbauart (R)
Das „R“ bezeichnet Radialreifen, die heute als Standard gelten. Sie sind mit radial angeordneten Karkassenlagen ausgestattet und weisen eine gute Fahrperformance und Langlebigkeit auf. Andere Bauarten, wie z. B. Diagonalreifen, werden kaum noch verwendet.

3.4 Felgendurchmesser (Zoll)
Der Wert nach dem „R“ zeigt an, für welchen Felgendurchmesser der Reifen passend ist. Die gängigen Werte liegen im Bereich von 13 bis 22 Zoll. Ein falscher Felgendurchmesser ist nicht kompatibel mit der Felge und stellt eine Gefahr dar.

3.5 Tragfähigkeitskennzahl (Load Index)
Wie viel Gewicht ein einzelner Reifen höchstens tragen darf, zeigt der Tragfähigkeitsindex an. Die Werte variieren von etwa 60 bis über 120, wobei jeder Index einer genauen Kilogrammzahl entspricht.

Index Tragfähigkeit pro Reifen (kg) 91 615 94 670 100 800

Reifen sollten mindestens die vom Hersteller des Fahrzeugs vorgegebene Tragfähigkeit aufweisen.

3.6 Geschwindigkeitsindex Mit dem Geschwindigkeitsindex wird die höchste Geschwindigkeit bezeichnet, die für den Reifen ohne Gefahr möglich ist. Die üblichen Werte variieren von Q (160 km/h) bis Y (maximal 300 km/h).

Index Max. Speed (km/h) S 180 T 190 H 210 V 240 W 270 Y 300

Auch hier ist es wichtig, die vom Fahrzeughersteller empfohlene Mindestgeschwindigkeit zu beachten.

4. Weitere Details auf dem Reifen Zusätzlich zur Größe sind auf den Reifenflanken weitere wesentliche Informationen zu finden:

DOT-Code: Herstellungsdatum und -ort (entscheidend für die Haltbarkeit)

M+S oder Schneeflockensymbol: Zeichen für Winterreifen

Reifendruckempfehlung: In der Regel auf der Innenseite des Fahrzeugs zu finden

Maximale Belastung und Druck: Essenziell für die korrekte Reifenbefüllung

Profiltyp: Einige Reifen haben Bezeichnungen wie „All-Season“ oder „Offroad“

5. Wie bestimme ich die passende Reifengröße für mein Auto?

Die sicherste Variante besteht darin, die vom Hersteller empfohlenen Reifengrößen zu verwenden. Diese kannst du finden:

Im Fahrzeughandbuch

Mit einem Aufkleber im Türrahmen oder am Tankdeckel

Mit der Originalbereifung

Wenn du Reifen in anderer Größe wünschst (z. B. für ein sportlicheres Aussehen oder mehr Komfort), ist eine Beratung durch einen Fachmann ratsam, da Änderungen Auswirkungen auf Fahrverhalten, Tachoanzeige und Sicherheit haben können.

6. Unterschiede zwischen Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen Neben der Dimension solltest du auch die passende Reifenart auswählen:

Sommerreifen: Ausgelegt für warme, trockene und nasse Bedingungen. Gewähren guten Halt und kürzere Bremswege bei hohen Temperaturen.

Winterreifen: Gummimischung und Reifenprofil sind speziell für Kälte, Schnee und Eis geeignet. Stellen eine deutliche Erhöhung der Sicherheit im Winter dar.

Allwetterreifen: Mittelweg zwischen Sommer- und Winterreifen. Praktisch, solange keine extremen Wetterbedingungen herrschen.

Die Entscheidung ist abhängig von deinem Wohnort, Fahrstil und den Wetterbedingungen.

7. Ratschläge für den Erwerb und die Wartung von Reifen

7.1 Reifendruck regelmäßig kontrollieren Ein richtiger Reifendruck sorgt für eine längere Lebensdauer der Reifen, verbessert die Kraftstoffeffizienz und erhöht die Sicherheit. Überprüfe den Druck einmal pro Monat und vor ausgedehnten Fahrten.

7.2 Messung der Profiltiefe
In Deutschland beträgt die gesetzlich festgelegte Mindestprofiltiefe 1,6 mm. Bei Winterreifen sind jedoch wenigstens 4 mm zu empfehlen. Kontrolliere die Profiltiefe regelmäßig und wechsle die Reifen zur rechten Zeit.

7.3 Reifen sachgemäß lagern Wechselst du zwischen Sommer- und Winterreifen, lagere die nicht verwendeten Reifen kühl, trocken und vor Licht geschützt, am besten auf speziellen Reifenständern.

7.4 Auswuchten und Achsvermessung Um sicherzustellen, dass die Reifen gleichmäßig abrollen und um ungleichmäßigen Verschleiß zu vermeiden, solltest du nach dem Reifenwechsel die Reifen auswuchten lassen und gegebenenfalls eine Achsvermessung vornehmen.

8. Fehler, die oft bei der Auswahl von Reifen gemacht werden:

Unpassende Dimension wählen: Entspricht nicht der Felge oder gefährdet die Fahrsicherheit.

Unpassender Geschwindigkeitsindex: Gefahr von Schäden bei hoher Geschwindigkeit.

Unpassender Reifentyp: Sommerreifen im Winter oder umgekehrt können riskant sein.

Abgedroschene Reifen: Auch wenn das Profil noch in Ordnung ist, altern Reifen – eine Verwendung über 6-8 Jahre hinaus ist nicht empfehlenswert.

9. Schlussfolgerung

Für sicheres Fahren, Fahrkomfort und Wirtschaftlichkeit ist es entscheidend, die richtige Reifengröße zu verstehen und den passenden Reifen auszuwählen. Mit dem Wissen über die Codes auf der Reifenflanke kannst du eine informierte und selbstbewusste Entscheidung darüber treffen, welche Reifen am besten für dein Fahrzeug geeignet sind.

Egal, ob Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen, Standardgröße oder sportliche Variante – entscheidend ist, dass alle Parameter übereinstimmen. Bei Unsicherheit ist es stets ratsam, sich beim Reifenprofi oder Autohaus beraten zu lassen.